In Memoriam Erich Bauer

Der Reiterverein Heidelsheim musste Abschied nehmen von seinem langjährigen Mitglied und Ehrenmitglied Erich Bauer. Mit ihm haben wir einen der letzten aus der Reihe der Männer verloren, die in den ersten Nachkriegsjahren den Verein und damit den Pferdesport in Heidelsheim wiederbelebten.

Mit ihren Pferden, die damals noch bei der alltäglichen Arbeit auf den Feldern eingesetzt wurden, ritten die jungen Männer- und damals waren es noch fast ausschließlich Männer- in ihrer raren Freizeit und besuchten bald auch die noch seltenen Turniere der Umgebung. Auf den Wiesen, die an die heutige alte Reithalle angrenzten, wurde die noch immer lebendige Tradition der Heidelsheimer Reitturniere, damals noch Reiterfeste genannt, begründet. Erich Bauer gehörte auch zu den Mitgliedern, die  in den 70er Jahren dann den Bau der  neuen Reitanlage und Reithalle bei den Lindenbäumen durch ihren selbstverständlichen und in jeder Beziehung tatkräftigen Einsatz ermöglichten. Er war stets ansprechbar, hilfsbereit und mit gutem Rat zur Stelle, wenn er gebraucht wurde – und das nicht nur in Pferde- bzw. tierischen Angelegenheiten, sondern, wie sich viele sicher noch erinnern werden, auch in seiner Funktion als langjähriger Verwalter des Lagerhauses beim Bahnhof, als geduldiger Berater seiner Kunden bei allen möglichen Fragen.

Und so kann man sagen, nicht nur der Reiterverein hat einen besonderen Menschen verloren, sondern mit Erich Bauer verlor Heidelsheim einen der letzten oder eigentlich sogar den letzten seiner Art, den letzten Vertreter einer traditionellen Landwirtschaft und Lebensweise. Für ihn war ein müßiges Rentnerleben keine Option; selbstverständlich hat er seine kleine Landwirtschaft weitergeführt, hat seine zwei Kühe gemolken, seinen kleinen Viehbestand versorgt, seine Felder bestellt und – wie in den letzten Jahren regelmäßig in der Zeitung zu sehen war – noch Klee zu Kleeheu aufgebockt. Und bis zuletzt fuhr er immer wieder mit seinem Pferd zur Feldarbeit. Die Pflege und Versorgung seiner Tiere war ihm eine wichtige Aufgabe, sie gab seinem Leben Struktur und Sinn  und hielt ihn so aktiv, dass man ihm sein Alter so gar nicht glauben mochte. Auch deshalb kam für uns alle die Nachricht von seinem Tod völlig überraschend.

Immer gehörte ein Pferd zu den Tieren in seinem Stall. Den Pferden gehörte seine besondere Liebe, der Umgang mit ihnen bereitete ihm Freude. Fast immer waren es Haflinger, eine ursprünglich als Arbeitspferde für die  Landwirtschaft gezüchtete Pferderasse. Und so, als die Nutztiere, als die sie den Menschen seit Jahrtausenden gedient hatten, setzte Erich seine Pferde auch bis zuletzt ein.

Darüber hinaus aber hatte er in langen Jahren auch immer seine Freude daran, mit seinem Pferd vor der Kutsche auf kleinen Sonntagsausfahrten zusammen mit seiner Frau Hanna Erholung zu finden – und natürlich liebte er auch schon immer seine Ausritte.

Wie wichtig ihm Pferde waren, zeigt auch sein Entschluss, nach dem Tod seiner Frau, deren Pflege er selbstverständlich und fürsorglich übernommen hatte, im hohen Alter noch einmal ein Pferd in die zwischenzeitlich verwaiste Pferdebox zu stellen. Auch mit diesem, seinem letzten Haflinger fuhr er bald wieder aufs Feld zum Pflügen oder zum Futterholen, spannte ihn vor die Kutsche und er setzte sich sogar noch in den Sattel.

Die Freude an seinen Pferden und die schönen Erinnerungen, die sich für ihn mit ihnen verbanden, konnte man spüren, wenn man mit ihm seine Fotos anschaute; sie zeigen ihn bei vielen Gelegenheiten mit seinen Pferden: mit seinen Reiterfreunden in früheren Jahren z.B. bei Vatertagsausritten oder auf der Reitanlage, bei Kutschfahrten und über die langen Jahre immer wieder bei Heidelsheimer Umzügen anlässlich verschiedener Festlichkeiten und Jubiläen.

Für uns alle, die ihn kannten, werden zu den bleibenden Erinnerungen an Erich Bauer stets auch die Bilder gehören, die ihn mit einem seiner Pferde zeigen. Und das Bild, die Erinnerung daran, wie er mit seinem Fuhrwerk durch Heidelsheim fährt, wird wohl in den meisten von uns wehmütige Gefühle wecken, ist es doch zugleich Sinnbild für eine Epoche, die endgültig zu Ende gegangen ist.

Bildnachweis: Fotograf Philipp Hähnel