Lehrgang Ackerarbeit mit Pferd

Pferde kann man reiten und man kann sie vor die Kutsche spannen. Wobei sie heutzutage seltener zu sehen sind, ist die Ackerarbeit auf dem Feld oder beim Holzrücken im Wald. Gerade bei letzterem können sie jedoch in ihrem Segment den heute fast ausschließlich gebräuchlichen Maschinen in Bodenschonung und wirtschaftlichem Ertrag überlegen sein. Daneben ist es für eine Pferderasse auch immer vorteilhaft, in Dingen geschult zu werden, die ihrem Zuchtziel entsprechen, weil ihnen derartiges leicht fällt und somit Spaß macht. Aus diesem Grunde fand am letzten Juni-Wochenende auf dem Außenareal des Heidelsheimer Reitverein ein Lehrgang für Ackerarbeit mit Pferd statt. Teilnehmer waren vier Vertreter der sog. leichten und mittelschweren Kaltblüter: zwei Schwarzwälder, ein Freiberger und ein Noriker.

Trainer Harald Schardelmann kommt aus der Ecke Bremen und ist Trainer A und Fahrlehrer FN mit einem Faible für landwirtschaftliches Arbeiten mit Pferden. Bei den teilnehmenden Pferdebesitzern, u. a. Organisatorin des Lehrgangs Doris Ernst, und den jeweiligen Vierbeinern handelt es sich teilweise um erfahrene Kutschfahrer, die auch schon mit Pferden gearbeitet haben, aber auch um Neulinge.

Nach Überprüfung des jeweiligen Geschirrs – Verwendung fanden beide Geschirrarten in Form von Brustblatt bzw. Kummet – geht es gemeinsam am ersten Tag auf den Reitplatz. Das jederzeitige Beisammensein der Pferde gibt diesen Sicherheit und die für den Lehrgang jederzeit notwendige Ruhe. Völlig unaufgeregt fahren die Teilnehmer ihre „Kalten“ zunächst ohne irgendwelche Gerätschaften, die man über die Leinen und das sog. Ortscheid ans Pferd hängen kann, über den Platz, damit sich die Pferde an die Gegebenheiten gewöhnen können. Es werden Handwechsel, mal inks-, mal rechtsherum, das Anhalten, ruhiges Stillstehen und wieder angehen geübt. Gearbeitet wird ausschließlich in der Gangart Schritt. Als nächstes wird jedem Pferd über die Arbeitsstränge das Ortscheid, ein Metallbügel, angehängt, an den später die Ackergeräte oder Baumstämme angehängt werden können. Die Pferde müssen lernen, daß die Zugstränge in Wendungen auch einmal an den Hinterbeinen streifen und dürfen dabei nicht unruhig werden.

Zur Steigerung des Schwierigkeitsgrades müssen die Pferde auch über quer auf den Reitplatz liegende Baumstämme treten, wobei das Ortscheid beim Hinüberschleifen laut klappert, was die Pferde nicht verunsichern darf. Eine weitere Übung besteht im Anhalten und Rückwärtsrichten, auch über den Baumstamm, so daß die Pferde vorsichtig mit den Hinterbeinen erfühlen müssen, wo die Hufe zu heben sind.

Erst, nachdem diese Vorübungen von allen gelassen absolviert wurden, werden die ersten Gerätschaften angehängt: zur Verfügung standen eine sog. Netzegge, die zum Abschleppen von Weiden genutzt wird, um Maulwurfshügel einzuebnen und die Bestockung des Grases anzuregen, wie auch ein Grubber, ein mit Zinken ausgestatteter Bodenkultivator zum Einebnen, Lockern und Krümeln des Bodens. Die bereits zugerfahrenen Schwarzwälder und der Freiberger zirkeln so über den Platz und ebnen diesen ein. Der im Zug noch weitgehend unerfahrene Noriker wird zunächst vor einen Baumstamm gespannt, da hierbei die Verletzungsgefahr beim versehentlichen Zurücktreten für das Pferd geringer ist.

Der zweite Kurstag ist im Aufbau gleich, allerdings besteht die Schwierigkeit an diesem Tag im zielgenauen Fahren und Lenken durch auf dem Reitplatz aufgestellte Pylonen – was oftmals zu viel Gelächter und der Erkenntnis führt, daß das alles gar nicht so einfach ist. Immerhin muß nicht nur das Pferd ordentlich durch die Pylonen gelenkt, sondern auch der gegebenenfalls mit Netzegge, Grubber und vor allem 8 m lange Baumstämme vorhandene Wendekreis berücksichtigt werden. Und letzten Endes soll ein Acker ja auch gerade Furchen aufweisen.

Der sehr praxisorientierte Kurs hat allen, auch den Pferden, die anschließend einen sehr zufriedenen Eindruck machten, sehr viel Spaß gemacht. Daneben wurden von Trainer Harald Schardelmann auch viele Tipps gegeben und auf viele theoretische, insbesondere auch physikalische Umstände hingewiesen. Letzteres ist wichtig, um die Pferde im Zug nicht zu überlasten bzw. die Arbeit angenehm zu machen. Herzlichen Dank für die Organisation an Doris Ernst und den Reitverein Heidelsheim für die Zuverfügungstellung des Areals!